Der Drucker surrt und knackt.
Stille.
Ein Lämpchen blinkt.
Im Innern regt sich etwas.
Brommseln und feixen. Die Tintenpatronen fahren hin und her. Ein Papier wird in den Auszug gezogen, bleibt stehen.
Was druckst du so lang herum, blöder Drucker?
Texte
FRÜHSTÜCK
"Jagd nach dem Gottesteilchen".
"Higgs" machte Gott und wischte sich mit der Zeitung den Mund ab.
April 2009
Big Bang
Ein Hit ist ein Schlag. Ein schlechter Schlager will dich erschlagen, ein guter Hit trifft dich ganz beiläufig bringt dich ins Taumeln.
Vor ein paar Jahren lauerte einem an jeder Ecke das folgende Liedchen auf:
""I'm a big big girl in a big big world it's not a big big thing if you leave me..." Ach, wie beginnt da das Herz zu klopfen. Ich bin ein grosses Mädchen in der grossen Welt und es ist keine grosse Sache, wenn du mich verlässt...Jede Zeil widerlegt die vorangegangene. Die grosse Welt lässt das big big girl ganz ganz klein erscheinen. Und die Welt wiederum schrumpft zu einem Nichts zusammen vor dem grossen Kummer, den das Verlassenwerden mit sich bringt.
Es ist auch ein Lied über die Machtlosigkeit der Sprache: Was für ein winzigkleines Wort ist dieses "big", und die Verdoppelung macht es nur noch kleiner, und drum ist der Weltschmerz "not a big big thing", nein nein, er ist ein Nichts! Ein schwarzes Loch, das alles verschluckt und alles auf einen Punkt bringt: Auf das Gefühl des Verlorenseins, und das ist weniger als Nichts.
Was da noch bleibt: Das Tap Tap Tapfersein, die trotzige Selbstversicherung, dass man überhaupt noch vorhanden ist. Das Herz klopft, also bin ich.
Jeder Refrain weckt ein neues Bild: Füsse, die auf den Boden stampfen. Hände, die an die Stirne schlagen, Fäuste, die verzweifelt an eine verschlossene Tür klopfen.
Ich höre der Melodie zu und wippe im Takt mit und weiss: Das läppische Liedchen hat mich auf dem linken Fuss erwischt. Ich taumle und gehe in die Knie.
März 2008
Kolumbus
KOLUMBUS HAT AMERIKA ENTECKT.
Er sollte Verbesserungen schreiben.
Er schreibt
KOLUMBUS HAT AMERIKA
ENTDECKT
ENTDECKT
ENTDECKT
Das ist falsch, denkt er.
Kolumbus hat nichts entdeckt.
Entdecken tut man von oben. Wenn man eine Decke wegzieht.
Aber Kolumbus kam nicht von oben. Er fuhr auf dem Meer.
Er sah den Horizont.
Wird er über den Rand hinunterstürzen?
Es kam kein Rand.
Die Welt war rund.
KOLUMBUS HAT DIE WELT ENTECKT schreibt er aufs Blatt und geht hinaus, Fussball spielen.
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Man steigt nicht zweimal in den gleichen Fluss: Nie gelingt es mir, ein Duvet so zurechtzuzupfen und glattzustreichen, wie meine Mutter das konnte.
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blog-blog
"Ist beim Tod von Michael Jackson alles mit rechten Dingen zugegangen?" fragt "Der Bund". Was für ein Tod wäre denn das, bei dem "alles mit rechten Dingen zugeht"?
Ich wünschte ihn niemandem.
29.06. 09
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Frühenglisch
Michael J.: King of Pop
Michael J.: Pop - Ching
5.07.09
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Barthaaare wachsen auch nach dem Tod noch weiter.
Rasieren ist also durchaus ein Thema mit einer metaphysischen Dimension.
Ich stehe im Laden und suche die passende Klinge zu meinem Halter, der daheim im Bad auf dem Tablar liegt. Was aber braucht mein Rasierer: Fusion Power, Mach 1 oder Mach 2, Contour oder Intuition plus? Meistens bringe ich die falschen Klingen heim, dort liegen sie nutzlos herum.
Es muss Leute geben, die mit einer gebrauchten Klinge in den Laden kommen und alle Päckchen aufschneiden, bis sie den Doppelgänger gefunden haben. Die Migros versteckt jetzt die Rasierklingen in Hartplasticschalen.
Die Suche nach der richtigen Klinge ist mindestens so kompliziert wie die Suche nach dem Heiligen Gral.
Turbo Excel oder Quattro Titanium Energy? Die Wahrheit, mein lieber Prophet, liegt nicht beim Bart.
6.07.09
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Weil man überall FEDERER liest, wollte ich doch mal sehen, was Federer (Heinrich, 1866 - 1928) so geschrieben hat.
Erzählsammlung "Frühling der Gegenwart", Band 1, S. 144 ff:
Da lese ich die Geschichte vom greisen Eremiten Petrus Morone, der gegen seinen Willen zum Papst gewählt wird. Nach kurzer, unglücklicher Amtszeit legt er die Papstkrone ab und schlüpft wieder in seine alte Einsiedlerkutte."Gebt mir meine Wildnis wieder!"
Doch der Folgepapst stellt ihn bis ans Lebensende unter Hausarrest. Zu unberechenbar in seiner Wirkung auf die Gläubigen wäre ein einsiedlerischer Expapst, der im Wald seine Pilzsuppe kocht.
Geschehen ums Jahr 1294 in Aquila (Abruzzen), wo heute der G 8-Gipfel beginnt.
8.07.09
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Armstrong Armstrong Armstrong
Louis Neil Lance
In dieser Reihenfolge
10.7.09
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Die Raupe, die ich fast überfahren hätte, wird die andere Strassenseite kaum erreichen.
"Bleib doch, ich geh dann schon" sagt ungehört der Schmetterling.
11.07.09
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Ein warmer Oktobertag. Weidende Kühe, mitten unter ihnen ein junger Muni. Während die Kühe am Gras rupfen, muht er jämmerlich. Eine Kuh brunzt. Der Muni trottet hinzu und fängt mit der Schnauze die letzten Tröpfchen auf. Hebt den Kopf in die Höhe, schliesst die Augen, saugt die uringewürzte Luft durch die weit aufgesperrten Nasenlöcher ein.
Versonnenglückseliger junger Muni im goldenen Herbstlicht.
17.10.09
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Ein frisch angesätes Winterfeld. In der dritten Saatreihe blinkt etwas.
Ein Fünfrappenstück. Wie ist es dort hingekommen? Zufall oder Absicht?
Ich greife in meinen Hosensack, wo sich loses Münz angesammelt hat. Drei Fünfrappenstücke. Die verteile ich in regelmässigen Abständen auf die Saatreihen.
Gehe weiter mit dem guten Gefühl, die Welt um ein Rätsel reicher gemacht zu haben.
23.10.09
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Vor einigen Tagen hat eine Spinne zwischen dem Büchergestell und der Lautsprecherbox ihr Netz gespannt. Die Spinne ist winzig, vielleicht ist sie jung und unerfahren. Seit Tagen sitzt sie bewegungslos in der Mitte des Netzes und wartet vergeblich auf Beute.
Wenn man auf "Drummerworld " Charlie Watts anklickt, gelangt man auf ein Video aus dem Jahre 1997. Die Rolling Stones spielen im Studio ihre alte Nummer "The spider and the fly". Wunderbar entspannt spielen sie, Mick Jagger schielt zwischendurch aufs Textblatt, und spontan ändert er eine Zeile: Nicht mehr dreissig, sondern fünfzig ist nun das Girl, das sich seinem Netz nähert. Aber es wird drin zappeln wie eh und je.
Ich muss dieses Stück unbedingt meiner jungen Spinne vorspielen, bevor sie verhungert ist.
24.11.09
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Darbellay&Co
Die Totengräber wissen nicht, auf welchen Friedhof mit ihr.
Und so lebt sie noch, die Demokratie.
4.12.09
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Frühfranzösisch
Josef, der weltgewandte, empfing die Heiligen drei Könige mit den folgenden Worten: "Le boef, der Ochs, la vache, die Kuh, fermez la porte, die Türe zu!"
20.12 09
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Klimagipfel
"S isch emu geng geng sövu" het ds Müüsli gseit, wos ids Meer bislet het.
"Wäm seisch das, mys Müsli - wäm seisch das?" süfzget der Bärg.
21.12.09
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Klauben. Eine Mischung aus glauben und klauen. Ein witziges Wort. Klaube sich doch jeder seine eigene Religion zusammen. Was ist daran schlimm, Theolog?
22. 01. 10
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Strassenmusik bringt viel Münz ein, ich bewahre es in einer Schachtel auf, zusammen mit alten Schlüsseln und Büroklammern. Dieses Münz ist mein Notvorrat für schwere Zeiten - so Zeiten, wie sie uns nach der Finanzkrise prophezeit worden sind. Kürzlich brauchte ich Münz für den Billettautomaten, ich griff in die Schachtel, die Münzen waren giftgrün: Grünspan. Das kommt davon, wenn man das Geld hortet und nicht an die frische Luft lässt.
Nun kam mir in dem Zusammenhang der Name Greenspan in den Sinn - das war doch der Mann, der jahrelang an der Spitze der US-Notenbank stand. Der musste auch dafür sorgen, dass das Geld immer schön in Bewegung bleibt. Er war gegen jede Regulierung - Geldpolitik sah er als Kunst an, und Kunst braucht Freiheit. Seine Geldpolitik soll mitschuldig sein an der Finanzkrise. Er hat übrigens eine Profiausbildung als Saxophonist. Und weil er die Folgen seines Tuns trägt und die Freiheit der Kunst liebt, spielt er jetzt irgend an einer Strassenecke für gutes Münz.
27.01.10
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"Niemand macht mehr Schweizer glücklich".
So weit ist es also schon?
Nein, so weit geht es noch. In die Ferien mit Hotelplan.
Denn niemand macht mehr Schweizer glücklich.
1. 02.10
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Sie wollen es wissen, die beiden Freundinnen. Sie greifen sich ein Buch aus dem Regal. Nicht irgend ein Buch, sondern die Bibel, und nicht eine Kinderbibel, sondern die grosse Jerusalemer Bibel, tausendachthundert Seiten.
Jugendliche Mädchen auf dem Sofa, in der Bibel blätternd. Ein Bild für die kirchliche Hauspostille. Ob zielgerichtet oder zufällig: Sie landen im Neuen Testament, erster Korintherbrief des Apostels Paulus.
"Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi".
Kichern.
"Wenn ein Mann betet oder prophetisch redet und dabei sein Haupt bedeckt hat, entehrt er sein Haupt."
?
"Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt".
??
"Sie unterscheidet sich dann in keiner Weise von einer Geschorenen. Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen."
??? -!
Komm, lies weiter...
"Der Mann darf sein Haupt nicht verhüllen, weil er Abbild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist der Abglanz des Mannes."
Zwei Mädchen auf dem Sofa, die Bibel auf den Knien. Ihre Gesichter drücken Staunen aus, ungläubiges.
14.02.10
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Vor einigen Wochen erschien im "Bund" ein Interview mit der Basketballspielerin Sura Al-Shawk (nachzulesen auf der "Bund"-Homepage zwischen dem Werbebanner für Bindella-Weine und jenem für Ricardo, auf welchem unter dem Stichwort "Kopftuch" Damenshawls &Foulards - gebraucht oder neu, aber immer günstig angeboten werden).
Die gebürtige Irakerin, die kurz vor der Einbürgerung steht, wird vom Nordostschweizer Basketballverband gezwungen, sich entweder für den Sport oder für das Kopftuch zu entscheiden. Die junge Frau hat sich selbstbewusst für das Kopftuch entschieden. Damit gerät sie zwischen zwei Fronten: Hier die Verteidiger "westlicher Werte", die glauben, mit dem Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung bekämpfen zu müssen. Und da die Islamisten, die dieses Kopftuch genau zu diesem Symbol der Unterdrückung gemacht haben.
Dazwischen ist eine junge, intelligente Frau, die das Kopftuch als Ausdruck ihrer persönlichen religiösen Haltung begreift.
Wer Kopftücher (den Plural möchte ich betont haben) verbietet, bestätigt die Sichtweise der "grässlichen Männern mit den langen Bärten" (Sura Al- Shawk über den Islamischen Zentralrat). Das Verbot verbannt nicht nur ein Kleidungsstück, sondern nimmt einzelnen Menschen auch die Möglichkeit, öffentlich das Unterdrückungssymbol in ein Zeichen stolzer Selbstbehauptung umzuinterpretieren (wie es die junge Basketballspielerin tut).
P.S. Wo ansetzen- bei den Symbolen der Unterdrückten oder bei den Symbolen der Unterdrücker? Warum - beim Barte des Propheten- kommt niemand auf die Idee, die haarige Verhüllung des Männerkinns zu verbieten ?
25. 05. 10
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Kunst der Beschönigung (aus der FAZ vom 28. Mai 2010):
"Das Oberverwaltungsgericht in Berlin-Brandenburg hat am Donnerstag dem Diesterweg- Gymnasium in Berlin Wedding gestattet, es einem 16 Jahre alten muslimischen Schüler zu verwehren, sein Mittagsgebet in der Schule zu verrichten."
Verwehren gestatten. Tönt doch einfach besser als beten verboten.
30. 5. 10
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Bildschirmschoner
Gibt es A) in der Wirklichkeit eine Entsprechung zum (gemäss Duden umgangssprachlichen) Satz "ich habe mich erschrocken", und B): Was oder wen schont eigentlich ein Bildschirmschoner?
Seit einiger Zeit haben die Macs bekanntlich nicht mehr eine Mattscheibe, sondern zeigen ihrem User eine spiegelblanke Oberfläche.
Eine junge Grafikerin erzählt: "Ich sass vor meinem iBook, startete ein neues Programm. Es sprang nur zögernd an. Der Bildschirmschoner verschwand, und für einen Augenblick war der Hintergrund schwarz. Plötzlich schaute ich in ein wütendes, ungeduldiges Gesicht."
20. 08. 2010